Hochsensibilität - Neurosensitivität - Schema-Therapie - Schema-Coaching - Hana Hahne

Schema-Therapie

Schema-Coaching

Aus einer rationalen Sicht heraus ist es in manchen Situation kaum erklärlich, warum wir uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Eigentlich wissen wir, was zu tun wäre, was uns besser täte, wie wir es uns leichter machen könnten, sind aber nicht in der Lage, aus eingefahrenen Denk- oder Verhaltensmustern heraus zu kommen. Wir wiederholen die gleichen Muster (Schemata). Genauso unerklärlich scheint es manchmal, warum unsere emotionalen Reaktionen unangemessen stark ausfallen und es schwer fällt, diese zu regulieren.

 

Die Schema-Therapie ist eine relativ neue Methode, oder besser gesagt ein neuer Methoden-Mix, der erstmalig tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Herangehensweisen verbindet. Sie fördert ein Verstehen der eigenen erwachsenen Reaktionen und Handlungen, öffnet emotionale Bezüge und bietet Lösungsstrategien für selbstförderliches Denken und selbstbestimmtes Handeln.

 

Die Schema-Therapie geht zurück auf Dr. Jeffrey E. Young, der in den 1980er Jahren bestimmte Grundmuster psychischer Bewältigung beschrieb, die sich aus ungünstigen Beziehungserfahrungen mit den frühen Bezugspersonen ergeben können. Seitdem wurden seine Ansätze weiter erforscht und entwickelt. Im deutschsprachigen Raum lehren Dr. med. Eckhard Roediger und Dr. phil. Gitta Jacob und haben diverse Bücher dazu veröffentlicht. Die Therapiemethode findet aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit Anerkennung und wird auch in Form von Schema-Coaching angeboten.

Entstehen von Mustern

Ein Schema ist per Definition eine Verknüpfung von Nervenzellen im Gehirn, die durch Beziehungserfahrungen mit den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen entsteht. Werden im Kindesalter notwendige Grundbedürfnisse nach Bindung und Zuwendung, nach Orientierung und Sicherheit, nach Eigenständigkeit und Selbstwertgewinn nicht ausreichend befriedigt, entstehen Gefühle wie Angst, Minderwertigkeit, Traurigkeit, Hilflosigkeit, Wut und viele andere. Um diese Gefühle nicht zu spüren, entwickelt ein Kind als Selbstschutz Bewältigungsmuster, wie Rückzug, Verdrängung, Anpassung oder Unterordnung, psychosomatische Symptome, Perfektionismus, Leistungsdenken. Diese Bewältigungsleistungen sind neuronal fest verankert und laufen unbewusst und automatisch ab.

Verändern von Mustern

Das Ziel des Schema-Coachings oder der Schema-Therapie ist die Veränderung der unbewusst ablaufenden dysfunktionalen Denk- und Verhaltensmuster. Dazu werden die eigenen Schemata erkundet und ein Verstehen dieser unbewussten Abläufe entwickelt. Auf der emotionalen Ebene geschieht eine heilende Wirkung durch die Anknüpfung an die Gefühle der Kindheit. Mit der Erkenntnis, dass sich das erwachsene Ich von den kindlichen Annahmen, Überzeugungen und Bewältigungsreaktionen lösen darf, werden neue, erwachsene Sicht- und Verhaltensweisen erarbeitet. Statt in selbsthemmenden oder selbstschädigenden Bewältigungsmustern zu bleiben, wird offensichtlich, dass uns in den meisten Situationen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Nämlich auf verschiedene hilfreiche und selbstförderliche Art zu denken und zu handeln. Somit werden auf neuronaler Ebene neue synaptische Verbindungen geschaffen, die durch Wiederholungen gestärkt werden. Mit der Zeit entsteht neben den alten dysfunktionalen Mustern eine Vielzahl neuer Denk- und Verhaltensoptionen. Selbstbestimmung und Lebendigkeit können sich entfalten.

Verankern neuer Denk- und Verhaltensweisen

Wie bei allem, das wir neu lernen, ist es wichtig, durch regelmäßige Wiederholungen die neuen Denk- und Verhaltensweisen neuronal im Gehirn zu verankern. So wie wir damals als Kinder immer wieder ähnliche Erfahrungen mit unseren Eltern oder anderen Bezugspersonen gemacht und daraus Muster verankert haben, so können wir als Erwachsene unsere eigenen auf uns zugeschnittenen Denk- und Verhaltensweisen kreieren. Wir haben die Freiheit, uns jedes Mal aufs Neue zu entscheiden, wie wir handeln möchten. Und je häufiger wir dies tun, desto stabilere neuronale Verbindungen entstehen, die dann nach und nach die alten Muster ersetzen können.

 

Gut ist, zu realisieren und zu akzeptieren, dass in Situationen, die in irgendeiner Weise den kindlichen Erfahrungen ähneln, unsere kindlichen Gefühle getriggert werden. Diese kindlichen erinnerten Gefühle sind Anteile in uns, die wir nicht „wegmachen“ können. Sie sind ein Teil unserer Identität und das ist vollkommen in Ordnung. Es gilt diese verletzbaren Gefühle anzunehmen und dafür zu sorgen, dass sie liebevoll geschützt, geheilt oder einfach nur gesehen werden. Die Verbindung zu unseren kindlichen Anteilen ist auch die Verbindung zu unseren schöpferischen Anteilen, unserem Potenzial, unserer Basis für Selbstausdruck und Selbsterfüllung.